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<title>Hinterlader</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Hinterlader</span></h1>
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<p><b>Hinterlader</b> ist ein Begriff zur <a href="Klassifikation#Typologie" title="Klassifikation">Typologie</a> von <a href="Waffe" title="Waffe">Waffen</a>. Klassifiziert werden damit <a href="Schusswaffe" title="Schusswaffe">Schusswaffen</a>, deren <a href="Lauf_(Schusswaffe)" title="Lauf (Schusswaffe)">Lauf</a> an beiden Enden offen ist und bei denen das <a href="Projektil" title="Projektil">Projektil</a> und die <a href="Treibladung" title="Treibladung">Treibladung</a> durch die <i>hintere</i> Öffnung in die Kammer gebracht werden. Meist wird dazu eine <a href="Patrone_(Munition)" title="Patrone (Munition)">Patrone</a> verwendet. Die Ladeseite des Laufs wird durch den <a href="Verschluss_(Waffentechnik)" title="Verschluss (Waffentechnik)">Verschluss</a> der Waffe abgedichtet, der typischerweise auch die Auslösevorrichtung enthält.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Vorteile_und_Nachteile">Vorteile und Nachteile</h2></div>
<p>Hauptvorteile des Hinterladers bei <a href="Handfeuerwaffe" title="Handfeuerwaffe">Handfeuerwaffen</a> und <a href="Gesch%C3%BCtz" title="Geschütz">Geschützen</a> sind, im Gegensatz zum <a href="Vorderlader" title="Vorderlader">Vorderlader</a>, bei Verwendung einer Patrone die bedeutend erhöhte <a href="Kadenz_(Waffentechnik)" title="Kadenz (Waffentechnik)">Feuerrate</a> und die weniger relevante etwas bessere <a href="Deckung_(Schutz)" title="Deckung (Schutz)">Deckung</a>. Während beim Vorderlader der Schütze Treibladung und Projektil durch die Laufmündung laden muss, können beim Hinterlader Treibladung und Geschoss einfach nachgeführt werden, was ein Nachladen hinter einer Deckung schneller macht und den Weg für vorgefertigte Treibladungen bereitete.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Grundsätzlich ist die Ladungszuführung bei einer Schusswaffe von der normalen Schützenposition hinter dem Rohr vorteilhaft, weil durch die Vereinfachung die Bedienung beschleunigt wird. Gleichzeitig bietet die Konfektionierung vorgefertigter Ladungen die Sicherheit gleichbleibender ballistischer Eigenschaften und logistische Vorteile für die Vorhaltung verschiedener Ladungs- und Projektilkombinationen. Hinter dem Rohr ist der Schutz des Schützen einfacher zu realisieren. Bei Handfeuerwaffen ist das Laden auch im Liegen möglich, da der Schütze nicht mehr die Kugel mittels Ladestocks in den Lauf treiben muss. Der Schütze bildet also für den Gegner ein erheblich kleineres Ziel. Bei Geschützen ist die beim Abschuss freiwerdende Energie, die das Geschoss aus dem Rohr treibt, durch vorgefertigte Treibladungen berechenbarer. Dadurch werden Schussweite und Zuverlässigkeit gesteigert.
Ein sehr geringer Nachteil ist der höhere Aufwand, der für Fertigung und Betrieb der notwendigen Verschluss- und Munitionszuführungssysteme anfällt, der in den modernen Industrienationen binnen weniger Jahre durch ausgeklügelte Logistik und Technologie egalisiert wurde.
</p><p>Bei Feuerwaffen werden Ladung und Projektil geladen, bei <a href="Druckluftwaffe" title="Druckluftwaffe">Druckluftwaffen</a> wird nur das Projektil geladen und das Geschoss mittels komprimierter kalter Gase durch den Lauf getrieben. Dies gilt auch für die meisten <a href="Federdruckwaffe" title="Federdruckwaffe">Federdruckwaffen</a>. Federkraftwaffen hingegen übertragen die Kraft direkt auf das Projektil. Sofern das Geschoss von hinten geladen wird, sind alle vorstehenden Waffen Hinterlader, auch wenn sie nicht zu den Feuerwaffen zählen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Erste Hinterladergeschütze auf Schiffen gab es nachweislich bereits im frühen 15. Jahrhundert.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Erste Versuche mit Hinterlader-Handbüchsen lassen sich ebenfalls bis in das späte <a href="15._Jahrhundert" title="15. Jahrhundert">15. Jahrhundert</a> zurückverfolgen, die jedoch aufgrund zahlreicher technischer Probleme noch keine weitere Verbreitung fanden.<sup id="cite_ref-dhm_W3348_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-dhm_W3348-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hinterlader von <a href="Ernst_Friedrich_von_Holtzmann" title="Ernst Friedrich von Holtzmann">Ernst Friedrich von Holtzmann</a> wurden zwar von <a href="Friedrich_der_Gro%C3%9Fe" class="mw-redirect" title="Friedrich der Große">Friedrich dem Großen</a> im Krieg eingesetzt, jedoch wieder verworfen. Der König <a href="Friedrich_Wilhelm_I._(Preu%C3%9Fen)" title="Friedrich Wilhelm I. (Preußen)">Friedrich Wilhelm I.</a> hatte sich über diese sogar lustig gemacht.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das erste praxistaugliche Hinterladergewehr, das <a href="Dreyse-Z%C3%BCndnadelgewehr" title="Dreyse-Zündnadelgewehr">Dreysesche Zündnadelgewehr</a>, wurde 1836 gebaut. Es ist die Entwicklungsbasis für <a href="Repetierwaffe" title="Repetierwaffe">Repetierwaffen</a> und <a href="Selbstlader" class="mw-redirect" title="Selbstlader">Selbstlader</a>. 1837 erhielt der US-Amerikaner Thomas McCarty das US-Patent-Nr. 147 für eine <a href="Kipplaufwaffe" title="Kipplaufwaffe">Kipplaufwaffe</a> als Hinterlader.<sup id="cite_ref-Pat-Kipp-Hinterl_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-Pat-Kipp-Hinterl-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der erste Einsatz durch die <a href="Preu%C3%9Fische_Armee" title="Preußische Armee">preußische Armee</a> erfolgte 1849 bei der Niederschlagung der Aufstände während der <a href="Deutsche_Revolution_1848/1849" title="Deutsche Revolution 1848/1849">deutschen Revolution</a> und im <a href="Schleswig-Holsteinischer_Krieg_(1848%E2%80%931851)" class="mw-redirect" title="Schleswig-Holsteinischer Krieg (1848–1851)">Schleswig-Holsteinischen Krieg</a>.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch der Sieg der preußischen Armee über die dänische Armee an den Düppeler Schanzen im <a href="Deutsch-D%C3%A4nischer_Krieg" title="Deutsch-Dänischer Krieg">Deutsch-Dänischen Krieg</a> 1864 geht mindestens zum Teil auf die Verwendung von Hinterladergewehren durch die Preußen zurück; die dänische Armee verwendete Vorderladergewehre.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
Nach dem preußischen Erfolg in der <a href="Schlacht_von_K%C3%B6niggr%C3%A4tz" class="mw-redirect" title="Schlacht von Königgrätz">Schlacht von Königgrätz</a> im <a href="Deutscher_Krieg" title="Deutscher Krieg">Deutschen Krieg</a> 1866 konnten sich Hinterladergewehre schließlich durchsetzen.
</p><p>Hinterlader sind heute Stand der Technik für alle Schusswaffen (mit Ausnahme einiger <a href="Granatwerfer" title="Granatwerfer">Granatwerfer</a>/leichter Mörser). Dazu wurden je nach Anwendung und Größe der Waffen die unterschiedlichsten Systeme entwickelt.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Sonstiges">Sonstiges</h2></div>
<p>Hinterlader ist ein derb und abwertend verstandener Ausdruck für männliche <a href="Homosexualit%C3%A4t" title="Homosexualität">Homosexuelle</a>.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Breech-loaders?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Hinterlader</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Hinterlader" class="extiw external" title="wikt:Hinterlader">Wiktionary: Hinterlader</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<div class="mw-references-wrap"><ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans-Dieter Götz: <i>Waffenkunde für Sammler. Vom Luntenschloß zum Sturmgewehr.</i> 8. Auflage. Stuttgart, Motorbuchverlag 1994, ISBN 3-87943-303-8.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */
.mw-parser-output .webarchiv-memento a{color:inherit}
/* end https://de.wikipedia.org/ */
</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20090313231419/http://www.hanseschiff-luebeck.de/Hansevolk/Kanonen.html"><i>Die Kanonen der „Lisa von Lübeck“</i> (eingesehen am 17. Aug. 2009)</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 13. März 2009 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>).</span>
</li>
<li id="cite_note-dhm_W3348-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-dhm_W3348_3-0">↑</a></span> <span class="reference-text">
<span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/45K2IHDIYWWWKXPZVFGWEBPPFB4SBGFS"><i>Stangenbüchse für Hinterladung, Inventarnr. W 3348.</i></a> In: <i>Objektdatenbank.</i> <a href="Deutsches_Historisches_Museum" title="Deutsches Historisches Museum">Deutsches Historisches Museum</a>,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 5. Oktober 2020</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3AHinterlader&rft.title=Stangenb%C3%BCchse+f%C3%BCr+Hinterladung%2C+Inventarnr.+W+3348&rft.description=Stangenb%C3%BCchse+f%C3%BCr+Hinterladung%2C+Inventarnr.+W+3348&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.deutsche-digitale-bibliothek.de%2Fitem%2F45K2IHDIYWWWKXPZVFGWEBPPFB4SBGFS&rft.publisher=%5B%5BDeutsches+Historisches+Museum%5D%5D&rft.date="> </span> Aus der Zeit um 1500, die dem damals schon verbreiteten Prinzip der <a href="Kammergesch%C3%BCtz" title="Kammergeschütz">Kammergeschütze</a> folgt.</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Wilhelm Hassenstein, <a href="Hermann_Virl" title="Hermann Virl">Hermann Virl</a>: <i>Das Feuerwerkbuch von 1420. 600 Jahre deutsche Pulverwaffen und Büchsenmeisterei.</i> Neudruck des Erstdruckes aus dem Jahr 1529 mit Übertragung ins Hochdeutsche und Erläuterungen von Wilhelm Hassenstein. Verlag der Deutschen Technik, München 1941, S. 81.</span>
</li>
<li id="cite_note-Pat-Kipp-Hinterl-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-Pat-Kipp-Hinterl_5-0">↑</a></span> <span class="reference-text">
<span class="cite">Patent <a rel="nofollow" class="external text" href="https://worldwide.espacenet.com/publicationDetails/biblio?locale=de_EP&CC=US&NR=147A">US147A</a>: <i>Improvement in the Construction and Mode of loading Firearms.</i> Veröffentlicht am <span style="white-space:nowrap;">11. März 1837</span>, Erfinder: Thomas McCarty (New York).</span><span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Apatent&rft_id=US147A&rft.applcc=US&rft.title=Improvement+in+the+Construction+and+Mode+of+loading+Firearms&rft.inventor=Thomas+McCarty+%28New+York%29&rft.pubdate=1837-03-11"></span><br>(Konstruktionszeichnung auf Seite 2 in der Patentschrift)</span>
</li>
<li id="cite_note-6"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-6">↑</a></span> <span class="reference-text">Ortenburg: <i>Waffen der Einigungskriege 1848–1871</i>, 1990, S. 60</span>
</li>
<li id="cite_note-7"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-7">↑</a></span> <span class="reference-text">Loebell: <i>Des Zündnadelgewehrs Geschichte und Konkurrenten</i>, 1867, S. 42</span>
</li>
<li id="cite_note-8"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-8">↑</a></span> <span class="reference-text">Historiecenter Dybbøl Banke, Führung, <a rel="nofollow" class="external autonumber" href="https://1864.dk/">[1]</a></span>
</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text">Terry Gander, Peter Chamberlain: <i>Enzyklopädie deutscher Waffen. 1939–1945 Handwaffen, Artillerie, Beutewaffen, Sonderwaffen.</i> Spezialausgabe, 2. Auflage. Stuttgart, Motorbuchverlag 2008, ISBN 978-3-613-02481-6.</span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.wissen.de/synonym/homosexueller"><i>WAHRIG SYNONYMWöRTERBUCH: Homosexueller</i>.</a> In: <a href="Wissen.de" title="Wissen.de">wissen.de</a>, abgerufen am 17. Juli 2019.</span>
</li>
</ol></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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